Jijiga braucht unsere Unterstutzung
Jijiga, die Hauptstadt der Somalia Region im Nordwesten Äthiopiens , mit 67 Distrikten hat mit insgesamt 4,3 Millionen Einwohnern 1,3 Millionen Internal Displaced People ( IDPs) zu versorgen. Diese IDPs suchen seit ca 8 Jahren - mit in diesem Jahr rapide ansteigender Zahl - Zuflucht in Lagern an der Grenze zu Somalia und Dschibuti. Gründe der Flucht sind vor allem wirtschaftliche Notlagen - bedingt durch fortschreitendende Dürre und Desertifikation.

- Letzter Wasservorrat für Mensch und Vieh im Camp Harshien
Pressemitteilung der Äthiopischen Regierung in der Zeitschrift „Capital“ vom 17. Juli 2011:
„45 million Ethiopians are in critical need of emergency humanitarian assistance. Compared to last year are up by 1,3 million, which is 40 % rise. Every victim should receive half a liter of edible oil, 15 kg of wheat and every undernourished child will soon be provided with a balanced diet.”

- Die letzte Flasche ist leer
Humedica - Assessment in den IDP Camps (15./16.07.11)
Seit Beginn dieses Jahres verdoppelte sich die Anzahl der IDPs in den vom Humedica Team begutachteten Camps im nordöstlichen Grenzgebiet Äthiopiens: Kebribeya, Hareshen, Tefri Bar, Shedda und Harschien.
Im Camp leben vorwiegend alte Menschen und Mütter mit ihren Kindern. Das dritte Jahr in Folge ist der in der Regenzeit dringend benötigte Regen ausgeblieben. Nur in unmittelbarer Umgebung der höher gelegenen Regionalhauptstadt (500m) Jijiga tröpfelte ein wenig Niederschlag.

- Fatuma, 56 Jahre
Interview mit Fatuma im Camp Harschien
„Vor 4 Jahren starb mein Mann, der Vater meiner 6 Kinder. Dann blieb der Regen aus. Für meine Herde von 35 Schafen und Ziegen reichte das Futter nicht mehr aus und schliesslich verdursteten sie. Zuletzt starben auch unsere drei Kamele. Im Camp lebend bleibt mir nur, für das Nötigste meiner Kinder zu betteln. Es gibt Tage, da kann ich meinen Kindern nur einmal am Tag und nur wenig zu Essen geben. Meine zwei Söhne hüten die Schafe von reicheren Hirten, zwei Töchter arbeiten als Hausmädchen bei Hirten hier in der Nähe. Meine 17 jährige Tochter ist frisch verheiratet und im fünften Monat schwanger. Meine Jüngste ist stets bei mir. Im Medical Center müssen wir die notwendigen Medikamente bezahlen. Nur Malariamittel, Tuberkulose-und AIDS-Medikamente sind frei. Ich möchte wieder eine Viehherde aufzie-hen, damit wir genügend zu essen haben und uns eine bessere Hütte bauen können.“

- Campunterkunft - aus Akaziensträuchern, Wellblech und Planen gebaut
Im Camp Harschien wird Schule abgehalten, und für die Kinder bis zum 5. Lebensjahr gibt es ein Impfprogramm.
Das Gesundheitswesen der Somali Region
Die Medizinische Versorgung der 4,3 Millionen Menschen der Region wird von 67 Gesundheitszentren und sechs Distriktkrankenhäusern überommen. Noch im Bau befindet sich das Referralhospital in Jijiga. Versicherungen sind in Planung. Hausärzte wie in Deutschland gibt es nicht.

- Neues Referralhospital in Jijiga
Die Gesundheitszentren
Erkrankt jemand - z.B. an Malaria - sucht er, begleitet von seinen Angehörigen, zur medizinischen Behandlung das örtliche Gesundheitszentrum auf. Ein Zentrum steht für 25 000 Menschen zur Verfügung. Das Personal, Healthofficer und Nurses sind geschult, die häufigsten Erkrankungen zu behandeln, Notfälle zu erkennen und dann weiterzuschicken. Für Harschien bedeutet das eine Verlegung in das 126 km entfernte Jijiga. Für jeden der 67 Distrikte sollte ein Rettungswagen verfügbar sein, tatsächlich einsatzfähig sind nur 15 Rettungswägen - einer für 300 000 Bewohner.
Dringlich zu ergänzen ist die Notfallversorgung der Region: Die Zahl der Ambulanzen wäre zu erweitern und vor allem steht an, das Personal für die Rettung und den Transport über die weiten Distanzen auszubilden.

- Verunfallter im Healthcenter Harschien
Nach der Inzidenz stehen Unfälle jeglicher Art und Erkrankungen der oberen Luftwege an der Spitze. Es folgen Diarrhoe, Hauterkrankungen, Unterernährung und Anämie, Tuberkulose (2 % ) und HIV (3 %). Diabetes mellitus nimmt an Häufigkeit deutlich zu.
Die Ausrüstung des Healthcenters beinhaltet auch einen Kühlschrank für Impfstoffe, der mit Kerosin und elektrisch betrieben werden kann.

- Kind mit eitriger Hauterkrankung der behaarten Kopfhaut

- Kerosin betriebener Kühlschrank im Healthcenter
Es fehle besonders Instrumentarium für die Geburtshilfe z.B. ein mechanisch funktionierender Vakuumextraktor. Chirurgisches Instrumentarium für Wundversorgung und Verbände sind spärlich vorhanden. Dringlich sind Verbesserungen in der Hygiene, Sanitation und Wasserversorgung nötig. Für das Personal stehen im Healthcenter keine Wohnräume zur Verfügung.
Das Regional Hospital Jijiga
Health Direktor der Jijiga Region, Dr. Ahmed Tajudin, dankt dem Humedicateam und informiert bereitwillig über die Situation der Krankenhausversor-gung der Region. „Ein regionales Krankenhaus hat 200 Betten , aufgeteilt in die Abteilungen: Chirurgie/Orthopaesde, Innere Medizin und Geburtshilfe. Hinzu kommen eine umfangreiche Ambulanz, ein Department ‚Mutter und Kind‘ und eine Notfallaufnahme“.
Die haufigsten Krankheiten der stationären Behandlung sind:
- Pneumonien
- Durchfälle
- Unfälle
- Unterernährung
- Appendicitis
Im Op werden täglich 6 Operationen vorgenommen; drei davon sind Kaiserschnitte; in lokaler, regionaler Betäubung und in Narkose. Es fehlt eine ICU, Monitore und Beatmungsgeräte, die Narkose wird mit Ambu-Beatmung durchgeführt.

- Regionales Krankenhaus Jijiga
Vor allem bat Dr. Ahmed Tajudin um Unterstützung bei der Ausbildung der Ärzte im Bereich Chirurgie/Orthopädie. Er bittet um Mitarbeit und Beratung sowie Workshops für die Ärzte und Schwestern. Auch Studenten sind sehr willkommen, ihre praktische Zeit hier abzuleisten. Eine Zusammenarbeit mit der Universität Jijiga ist eingeplant.
Fazit des Humedica Assessments
IInfolge der Dürre in Westafrika suchten 11 Millionen Menschen Zuflucht in Camps
Äthiopien |
| 4,5 Millionen, davon 1,3 Millionen in diesem Jahr |
Kenia |
| 3,5 Millionen |
Somalia |
| 2.3 Millionen |
Uganda |
| 0.6 Millionen |
Djibuti |
| 0.12 Millionen |
140 000 Somali kampieren in Dolo Oro,, 55 000 davon wurden in diesem Jahr aufgenommen.
Dort im Süden von Äthiopien, strömen täglich 1400 Flüchtlinge aus Somalia in die Lager, 50 % der Kinder sind unterernährt.
Es gibt keinen Strom, keine Internetverbindung kaum mediz. Versorgung
Solartechnologie und Feldlazarette sind dringend nötig.
Aus Sicherheitsgründen ist die Äthiopische Regierung sehr restriktiv gegenüber NGO Interventionen. Bewegen kann man sich nur in Militärkonvois. Alle Vorhaben lassen sich nur in Abstimmung mit ARRA (Administration Refugee and Retournee Affairs) planen.
Das Team setzt dort das Assessment fort, um eine Intervention in Abstimmung mit ARRA ( Administration for Refugee and Retournee Affairs) zu planen.

- Humedica Medical Team, Airportlounge Jijiga: Irmgard H., Judith K., Robert W., Matthias G., Motbainor A. und Bernd D.
Bernd Domres, Matthias Gerloff, Ingrid Harms, Robert Wunderlich, Judith Kuehl
Photos: Humedica, Kaufbeuren





